Pozuzo: Schicksal · Hoffnung · Heimat

Briefe – Berichte – Kommentare


Vorwort des Autors, Bruno Habicher:

Das Wort «Pozuzo» hat eine gleichermaßen geheimnisvolle und faszinierende Wirkung. Hinter diesem Wort (sprich «possússo») verbirgt sich tatsächlich etwas ganz Besonderes, einerseits die wohl schicksalhafteste Geschichte der vielen europäischen Auswanderungen des 19. Jahrhunderts, andererseits ein interessantes, lohnenswertes, teils abenteuerliches Reiseziel in Peru. Denn die Nachkommen der europäischen Einwanderer vermitteln den immer zahlreicher werdenden nationalen und internationalen Besuchern eine angenehme Atmosphäre der Gastfreundlichkeit. Pozuzo bietet reizvolle multikulturelle und landschaftliche Kontraste, also ein Erlebnis der besonderen Art, und gilt zudem als Geheimtipp und Ausgangspunkt für individuelle Trekkings in das nähere und weitere Urwaldgebiet.

Peru selbst wertet die seinerzeitige Besiedlung der Region als besten Beitrag der «Alten Welt» für die Entwicklung dieses Landesteiles, weil dadurch die Möglichkeit der Urbarmachung und Kultivierung des Urwalds vorteilhaft aufgezeigt wurde. Über die Entstehung und die Geschichte dieses ursprünglich als «deutsche Kolonie am Pozuzu» gegründeten Ortes auf der Ostseite der Anden im Gebiet des tropischen Bergurwalds wurde schon viel in Wort und Bild berichtet. Das Thema «Pozuzo» hat viele Facetten und beeindruckt immer wieder all jene Menschen, die sich für dieses Thema interessieren, die Örtlichkeit kennen, kennen lernen wollen oder Anteil nehmen am Schicksal und Werdegang der Auswanderer bzw. deren Nachkommen. Von den vielen Publikationen darf vor allem das im Jahr 2001 bei Berenkamp erschienene Buch «POZUZO – Tiroler, Rheinländer und Bayern im Urwald Perus» von Elisabeth Habicher-Schwarz erwähnt werden, das auf Grund der fundamentalen Recherchen bislang ein absolutes Standardwerk über die Geschichte Pozuzos darstellt und neue Aspekte und Tatsachen aufzeigt.

Dem nun zusätzlich vorliegenden Sachbuch «Pozuzo – Schicksal, Hoffnung, Heimat» liegt die Idee zugrunde, die Geschichte von Pozuzo an Hand der vielen in verschiedenen Archiven ausgehobenenBruno Habicher: Pozuzo– Schicksal, Hoffnung, Heimat Briefe, Berichte und Kommentare zu dokumentieren, um diese wertvollen Unterlagen besser zugänglich zu machen. Der Umfang der zunächst für das Buch von Elisabeth Habicher-Schwarz als Wahrheitsbeweis gesammelten Unterlagen wurde später über einen längeren Zeitraum durch weitere Nachforschungen des Autors dieses Buches erweitert. Sie stellen einen bedeutenden Fundus dar, erheben zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollen aber in ihrem chronologischen Ablauf die ganze Problematik der Auswanderung nach Peru sowie spätere Entwicklungen und Ereignisse widerspiegeln. Der interessierte Leser mag zwar feststellen, dass der schicksalhafte Ablauf der Auswanderung im Einzelnen wiederholt dargestellt ist, sollte aber bedenken, dass es von großem Wert ist, die gefundenen Briefe, Berichte und Kommentare in einem Werk, teils ungekürzt, teils zur besseren Lesbarkeit redigiert, zusammengefasst zu wissen. Denn die Beschreibungen der Ereignisse sind aus der Sicht der Betroffenen doch immer wieder unterschiedlich und bieten einen interessanten Einblick in die persönlichen Erlebnisse, Eindrucke, Empfindungen und Meinungen der jeweiligen Verfasser von denen einige mit ihrer Meinung nicht gerade zurückhaltend waren, wodurch der Leser mitunter angeregt ist, sich selbst Gedanken über Versprechungen, Hoffnungen, Wahrheiten und Enttäuschungen zu machen. Schließlich gewähren die Briefe, Berichte und Kommentare zusätzlich auch interessante zeitgeschichtliche Einblicke in die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen der Auswanderungszeit. Die Inhalte der in diesem Buch zusammengefassten Unterlagen sprechen zwar für sich, dennoch habe ich zum besseren Verständnis da und dort erläuternde Bemerkungen oder überleitende Kommentare eingeflochten.

Eine Erkenntnis aus meinen Nachforschungen ist, dass über kein Auswanderungsunternehmen des 19. Jahrhunderts so viel geschrieben und öffentlich diskutiert wurde wie über die Auswanderung nach Pozuzo. Dies bestätigt die Schicksalhaftigkeit des Unternehmens und begründet den Umfang der vorliegenden Dokumentation.

Dieses Buch widme ich allen Männern, Frauen und Kindern, die in ihrer Not und Verzweiflung, in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen und mit Gottvertrauen mutig und voller Zuversicht ihre tirolische, rheinländische und bayrische Heimat verlassen und unglaubliche Strapazen auf sich genommen haben, um sich in Pozuzo eine neue Heimat aufzubauen. Mein Gedenken gilt aber nicht nur jenen, die ihr Ziel erreicht und die wertvolle Pionierarbeit für das Entstehen von Pozuzo geleistet haben, sondern auch jenen, die aus bitterer Enttäuschung in der Anfangsphase abtrünnig wurden oder den Strapazen nicht gewachsen waren und vorzeitig sterben mussten.

Berenkamp-Verlag, ISBN 3-85093-172-2, 448 Seiten, 16×23 cm, gebunden.




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